Abhängigkeitserkrankung

Medikamenten- und Drogenmissbrauch

Auch über Zeitstress und Hektik wird von Studenten häufig geklagt. Diese führen zu Erschöpfung, welche wiederum gerade von älteren Studenten ab 25 mit Medikamenten/Psychopharmaka bekämpft wird. So ist es nicht verwunderlich, Schlagzeilen wie „Geputscht in den Hörsaal“ oder „Doping gegen den Druck“ zu lesen. Denn der Leistungs- und Konkurrenzdruck steigt und da reichen Koffeintabletten und Kaffee schon lange nicht mehr aus.

Studentengesundheit Abhängigkeit

Jeder zehnte Student nimmt leistungsfördernde Mittel.

Das geht aus einer repräsentativen Umfrage unter Studenten der Hochschul Informations System GmbH (HIS) hervor. Danach machen rund fünf Prozent der Studenten „Hirndoping“ und nehmen verschreibungspflichtige Schmerz-, Beruhigungs- oder Aufputschmittel, um ihre Leistung zu steigern oder beizubehalten. Weitere fünf Prozent der Befragten greifen zu weicheren Mitteln wie Vitaminpräparaten, Koffein oder homöopathischen Substanzen. Für die Studie wurden die Angaben von 8000 Studenten aus dem Wintersemester 2010/2011 ausgewertet.

Ritalin, das wachmachend und konzentrationsfördernd wirkt und Patienten mit ADHS (Aufmerksamkeitsdefizit-Hyperaktivitätsstörung) verschrieben wird, wurde von Studenten als Wundermittel gegen schlechte Noten und für tagelanges Durchlernen entdeckt. Jedoch birgt diese Art von „Hirndoping“ gravierende gesundheitliche Risiken. Neben Nebenwirkungen wie Nervosität, Schlaflosigkeit, Herzrasen und Blutdrucksteigerungen besteht bei Ritalin eine hohe Suchtgefahr. Außerdem steht es auf der schwarzen Liste der Welt-Anti-Doping-Agentur Wada. Schließlich gibt es auch natürliche Möglichkeiten, wie z. B. längerer Schlaf und gesündere Ernährung, um gegen die Müdigkeit vorzugehen. Haschisch oder Marihuana konsumiert knapp jeder vierte Hirndopende (23 Prozent). Cannabis wirkt je nach Stimmungslage beruhigend oder schmerzlindernd. Der Konsum kann allerdings auch apathisch machen und zu verzögerten Reaktionen führen. Leistungssteigernd wirken sogenannte Amphetamine, etwa die Droge Speed. Gleichzeitig unterdrücken sie Hunger, Müdigkeit oder Erschöpfungsgefühle. Von den Studenten, die laut Studie zu den Hirndopern zählen, gaben neun Prozent an, diese zu konsumieren. Ebenfalls neun Prozent gaben an, ein nicht näher bestimmtes Mittel zur Leistungssteigerung zu sich zu nehmen. Die Droge Kokain macht unter anderem euphorisch, belastbar und leistungsstark und ist bekannt als Droge der Reichen und Kreativen. Bei den dopenden Studenten gaben drei Prozent an, Kokain konsumiert zu haben. Auch Extasy wurde in der Studie von Studenten genannt.

Alkoholmissbrauch

Viele Studenten denken: Ich muss schnell mit dem Studium fertig werden, sonst habe ich beruflich keine Chancen. Rauschmittel dienen dabei oft als Kompensation des Drucks. Saufgelage, wie sie unter US-Studenten beliebt sind, werden immer häufiger auch unter deutschen Studenten gefeiert. Eine Befragung des Zentralinstituts für Seelische Gesundheit (ZI) in Mannheim und der Universität Münster von 1130 Studenten brachte das Ergebnis, dass fast jeder Dritte zu viel Schnaps, Bier und Wein trinkt. Studenten vernachlässigen nach Trinkgelagen oft ihre Arbeit oder das Lernen in der Uni. Zum Teil gehen sie betrunken oder verkatert zur Arbeit oder in die Vorlesungen. Allein die Alkoholabhängigkeit als am häufigsten auftretende Form der Abhängigkeitserkrankungen betrifft laut Deutschem Roten Kreuz ungefähr 2,5 Millionen Deutsche.

Studentengesundheit Alkohol und Rettungswagen

Hintergründe

Abhängigkeit und Individuation sind zwei Pole in unserer normalen persönlichen Entwicklung, die zum einen Vertrauen in Beziehungen und zum anderen Vertrauen ins eigene Selbst beinhalten. Sowohl bei stoffgebundenen Abhängigkeitserkrankungen, wie z.B. der Alkoholsucht, als auch bei nicht stoffgebundenen Abhängigkeitserkrankungen, wie z.B. der Spielsucht, ist diese Entwicklung mehr oder weniger schleichend entgleist. Oftmals entwickelt sich die Erkrankung unbemerkt über einen größeren Zeitraum hinweg. Resultat ist, dass Betroffene die Kontrolle über das Abhängigkeit erzeugende Mittel verlieren und es ungehemmt konsumieren. Der Grad zwischen Genuss und Sucht ist somit bei vielen sehr schmal.

Aufgrund des schleichenden Entstehungsprozesses einer Suchterkrankung wird sie von Außenstehenden oftmals lange nicht, oder zu spät bemerkt. Jedoch können die Betroffenen selbst anhand bestimmter Symptome und Verhaltensweisen erkennen, ob sie Gefahr laufen eine Abhängigkeit zu entwickeln. In nahezu allen Fällen verspüren die Betroffenen ein sehr starkes Verlangen nach dem jeweiligen Suchtmittel. Dieser Drang wird als “Craving” bezeichnet. Ein weiteres Kennzeichen ist der übermäßige, unkontrollierte Konsum des Mittels. Bei fortgeschrittenen Abhängigkeitserkrankungen kommt es zu Entzugserscheinungen wie beispielsweise Übelkeit und Zittern. Häufig geht die Abhängigkeit sogar so weit, dass die Betroffenen ihren gesamten Alltag nach der regelmäßigen Einnahme des Suchtmittels ausrichten.

Auswege – von der Selbsthilfe bis hin zum Klinikaufenthalt

Während es in frühen Stadien einer Suchterkrankung noch denkbar ist, durch Suchtberatungen, Selbsthilfegruppen oder ambulante Behandlung den Weg aus der Abhängigkeit zu finden, scheint dies zu späterem Zeitpunkt kaum noch ohne stationäre Behandlung möglich. Bei fachgerechter Durchführung einer stationären Behandlung haben fünfzig Prozent der sich in Behandlung begebenden Menschen Aussicht auf eine langfristig drogenfreie und gesunde Zukunft.

Literaturtipp zum Thema Abhängigkeitserkrankungen

Studentgesundheit Abhängigkeitserkrankung
Lieber schlau als blau von Johannes Lindenmeyer

Therapeuten wie auch Betroffene und Angehörige erhalten medizinisches und psychologisches Wissen zur Alkohol-, Medikamenten- und Nikotinabhängigkeit. Entstehung und verschiedene Behandlungsformen von Abhängigkeiten sind dabei ebenso Thema wie Möglichkeiten einer Rückfallprophylaxe

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