Abhängigkeitserkrankungen

Über Zeitstress und Hektik wird von Studenten häufig geklagt. Diese führen zu Erschöpfung, welche wiederum gerade von manchen Studierenden ab 25 mit Medikamenten/Psychopharmaka bekämpft wird. So ist es nicht verwunderlich, Schlagzeilen wie „Geputscht in den Hörsaal“ oder „Doping gegen den Druck“ zu lesen. Denn der Leistungs- und Konkurrenzdruck steigt, und Kaffee reicht als Wachmacher schon lange nicht mehr aus.

Medikamenten- und Drogenmissbrauch

Die Anforderungen an Studierende sind immens, und jeder geht auf seine Weise damit um. Einen Grund zur Sorge liefert allerdings die Beobachtung, dass leistungssteigernde Mittel eingenommen werden, um durchzuhalten oder sich aufzuputschen – das sog. „Hirndoping“! Gemeint sind dabei nicht nur „weichere“ Mittel wie Vitaminpräparate oder Koffeintabletten, sondern auch verschreibungspflichtige Medikamente – bspw. Ritalin – oder illegale Drogen wie Kokain und Ecstasy.

Ritalin, das wachmachend und konzentrationsfördernd wirkt und zur Behandlung von Patienten mit ADHS (Aufmerksamkeitsdefizit-Hyperaktivitätsstörung) eingesetzt wird, ist eine dieser Substanzen. Ausgeblendet werden die gravierenden gesundheitlichen Risiken. Neben Nebenwirkungen wie Nervosität, Schlaflosigkeit, Herzrasen und Blutdrucksteigerung besteht bei Ritalin eine hohe Suchtgefahr.

Ebenfalls leistungssteigernd wirken sogenannte Amphetamine, etwa die Droge Speed. Sie unterdrückt Hunger, Müdigkeit oder Erschöpfungsgefühle. Kokain macht unter anderem euphorisch, belastbar und leistungsstark.

Neben den leistungssteigernden Mitteln gibt es auch Substanzen, die den gegenteiligen Effekt bewirken. Cannabis etwa – die weltweit am häufigsten konsumierte illegale Droge – wirkt je nach Stimmungslage beruhigend oder schmerzlindernd. Der Konsum kann allerdings auch apathisch machen und zu verzögerten Reaktionen führen. Auch psychotische Zustände paranoid-halluzinatorischer Art können auftreten.

Alkoholmissbrauch

Der Konsum von Alkohol ist in unserer Gesellschaft weit verbreitet und findet sich in erheblichem Maße auch unter Studierenden. Es gibt sogar Forschungen, die gerade Hochschülern einen im Vergleich zu anderen Personengruppen erhöhten Konsum zuschreiben. Dabei dient Alkohol nicht unbedingt dem Spannungs- oder Stressabbau; in vielen Fällen spielen Aspekte wie Geselligkeit oder schlicht der Spaß am Trinken die größte Rolle.

Die schädliche Wirkung von Alkohol wird zunehmend offener diskutiert. Sowohl kurz- als auch langfristige Folgen durch den Konsum sind bekannt, vom kurzzeitigen „Filmriss“ bis zu alkoholbedingten Leberschäden, einem erhöhten Krebsrisiko und einer hohen Sterblichkeitsrate von etwa 74.000 Menschen pro Jahr. Eine Abhängigkeit entwickelt sich schrittweise, einhergehend mit Toleranzentwicklung, dem vermehrten Denken an Alkohol, der Bagatellisierung des eigenen Konsums usw. Letztlich nimmt der Konsum einen immer größeren Stellenwert im Leben der Betroffenen ein, während andere Aktivitäten, Verpflichtungen und Sozialkontakte zunehmend vernachlässigt werden.

Hintergründe

Abhängigkeit und Individuation sind zwei Pole in unserer normalen persönlichen Entwicklung, die zum einen Vertrauen in Beziehungen und zum anderen Vertrauen ins eigene Selbst beinhalten. Sowohl bei stoffgebundenen Abhängigkeitserkrankungen, wie z.B. der Alkoholsucht, als auch bei nicht stoffgebundenen Abhängigkeitserkrankungen, wie z.B. der Spielsucht, ist diese Entwicklung mehr oder weniger schleichend entgleist. Oftmals entwickelt sich die Erkrankung unbemerkt über einen größeren Zeitraum hinweg. Resultat ist, dass Betroffene die Kontrolle über das Abhängigkeit erzeugende Mittel verlieren und es ungehemmt konsumieren. Der Grad zwischen Genuss und Sucht ist somit bei vielen sehr schmal.

Aufgrund des schleichenden Entstehungsprozesses einer Suchterkrankung wird sie von Außenstehenden oftmals lange nicht oder zu spät bemerkt. Jedoch können die Betroffenen selbst anhand bestimmter Symptome und Verhaltensweisen erkennen, ob sie Gefahr laufen, eine Abhängigkeit zu entwickeln. In nahezu allen Fällen verspüren die Betroffenen ein sehr starkes Verlangen nach dem jeweiligen Suchtmittel. Dieser Drang wird als “Craving” bezeichnet. Ein weiteres Kennzeichen ist der übermäßige, unkontrollierte Konsum des Mittels. Bei fortgeschrittenen Abhängigkeitserkrankungen kommt es zu Entzugserscheinungen wie beispielsweise starker (innerer) Unruhe, Zittern oder Übelkeit. Häufig geht die Abhängigkeit sogar so weit, dass die Betroffenen ihren gesamten Alltag nach der regelmäßigen Einnahme des Suchtmittels ausrichten.

was kann man tun?

Zentral ist die Einsicht, dass ein Problem besteht und man etwas dagegen unternehmen muss. Auch ein erhöhter Konsum, der faktisch vielleicht nicht als Abhängigkeit bezeichnet wird, sondern bspw. als riskanter Gebrauch, rechtfertigt bereits die Inanspruchnahme von Hilfe. Je früher man etwas unternimmt, desto besser! Ärzte, Psychotherapeuten oder Suchtberatungsstellen sind qualifizierte Ansprechpartner. Gemeinsam wird nach dem besten Weg der Behandlung gesucht – manchmal kann dies auch ein Klinikaufenthalt sein.

Menü schließen

Durch die weitere Nutzung der Seite stimmst du der Verwendung von Cookies zu. Weitere Informationen

Die Cookie-Einstellungen auf dieser Website sind auf "Cookies zulassen" eingestellt, um das beste Surferlebnis zu ermöglichen. Wenn du diese Website ohne Änderung der Cookie-Einstellungen verwendest oder auf "Akzeptieren" klickst, erklärst du sich damit einverstanden.

Schließen