Angst

Ängste beeinflussen wissenschaftlich nachgewiesen die gesamte Gesundheit. Bei Studenten kann es zu vielfältigen Ängsten kommen z. B. Versagensängsten. Gerade die neuen Bachelorstudiengänge sind sehr leistungsorientiert, weshalb sie auch von Anfang an Stress bei Studenten erzeugen. Stress führt wiederum zu gesundheitlichen Beschwerden wie Magen- oder Kopfschmerzen bis hin zu Schlafstörungen. Diese wirken sich negativ auf die Konzentrations- und Arbeitsfähigkeit aus. Letztendlich kann diese Entwicklung in einem Teufelskreis enden. Deshalb sollten sich Studenten rechtzeitig Hilfe holen, wenn sie allein nicht mehr in der Lage sind einen Ausweg aus einer solchen Situation zu finden. Dazu wurden von den Studentenwerken an vielen Hochschulstandorten psychologische Beratungsstellen eingerichtet.

Trotz entlohnter Beschäftigung neben dem Studium, sind auch Existenzängste kein seltenes Phänomen, wenn die zur Verfügung stehenden Mittel nicht ausreichen. Gerade Studenten, die weniger Unterstützung von ihren Familien bekommen und größtenteils selbst für die Finanzierung ihres Studiums verantwortlich sind, sind davon betroffen

Eine Ursache für Prüfungsangst kann schlechte Planung sein. Wenn man erst zwei Tage vor der Prüfung zu lernen anfängt, gerät man schnell in Stress, da sich durch das Aufschieben so viel Stoff angesammelt hat, dass es nicht mehr bewältigbar scheint. Um anschließend alles innerhalb von zwei Tagen aufholen zu können, gönnen sich viele Studenten beim Lernen keine Pausen. Dies wiederum kann zu Nervosität, Anspannung und Schlaflosigkeit führen und mit Blackouts in der Prüfung enden. Um es gar nicht erst so weit kommen zu lassen, sollten sich Studenten daher im zielgerichteten Arbeiten üben. D. h. schon während des Semesters lernen und regelmäßig das Gelernte wiederholen. Klappt das nicht, kann man es zunächst mit einem Lerntagebuch versuchen und dort seine Vorgehensweise beim Lernen und die Erfolge oder Misserfolge eintragen. Anhand dieser Dokumentationen lassen sich anschließend Verbesserungspotenziale ableiten. Im Tagebuch eingetragene Stresssituationen und Ängste helfen dabei seinen Lernplan zu überdenken und die Zeiten so zu legen, dass bis zur Prüfung kein Stress auf kommt.

Ist die Prüfungsangst aber so groß, dass man z. B. gar nicht mehr zu Prüfungen geht und Prüfungssituationen krampfhaft zu vermeiden versucht, dann ist die Ursache meist tiefer zu suchen. Auch, wenn man an gar nichts mehr anderes denken und/oder kaum noch schlafen und essen kann, sollte man sich professionelle Hilfe suchen. Ursachen können von Autoritätskonflikten in der eigenen Kindheit und Jugend bis hin zu einer fehlenden Autonomie-Entwicklung sein. Mit einem Therapeuten kann man beispielsweise  aufarbeiten, wie man selbst die eigene Pubertät und die Ablösung aus dem Elternhaus erlebt hat und auch, ob man gelernt hat, sich selbst aus eigener Kraft aus schwierigen Situationen zu befreien. Menschen, die häufig diese Erfahrung gemacht haben und denen die Eltern nicht alles abgenommen haben, tun sich mit Prüfungen oft leichter. Bei vielen Menschen mit starker Prüfungsangst ist das Gefühl der Machtlosigkeit und des Ausgeliefertseins groß, was die Angst noch verstärkt. Auch das Ungewisse, das einen in einer Prüfung erwartet, kann zu großer Angst führen. In einer Psychotherapie übt man diese Situationen z. B. anhand von Rollenspielen, in denen man lernt, sich zu behaupten, mit Fehlern zu leben und Situationen durchzuspielen. In den Heiligenfeld Kliniken in Bad Kissingen gibt es dafür extra eine eigene Behandlungsgruppe, in der auf die spezifischen Bedürfnisse von Studenten eingegangen wird.

Zweifel gehören zum Studium dazu. Jeder Student stellt sich mindestens einmal im Laufe seines Studiums die Frage, ob das, was er gerade macht überhaupt das Richtige ist. Bei der Mehrheit der Studenten ist dies nur vorübergehend der Fall und gehört zum Erwachsenwerden dazu. Problematisch wird es, wenn aus Zweifeln Ängste werden. Zukunftsängste verstärken die Selbstzweifel. Die Studenten haben Panik vor Arbeitslosigkeit, wissen nicht, wie es nach dem Studium weitergehen soll. Gründe dafür können der steigende Leistungsdruck und allgemeine Unzufriedenheit sein. Aber auch private Probleme führen dazu, dass man anfängt, seinen bisher für richtig erachteten Weg in Frage zu stellen. Diese Grübeleien rauben die Motivation, sodass letztendlich die Kraft und das Durchhaltevermögen nicht mehr ausreichen, um das Studium bis zum Schluss durchzuziehen. Sobald man merkt, dass die Unzufriedenheit mit der gewählten Studienrichtung immer größer wird, empfiehlt es sich, zunächst die Studienberatung aufzusuchen. Diese kann dabei unterstützen wieder die positiven Seiten am Studium zu entdecken oder schlägt vor den Studiengang zu wechseln, wenn keine andere Lösung in Frage kommt. Manchmal hilft es aber auch schon Aufgabenlisten zu schreiben, sobald Zweifel auftauchen. Auf einer solchen Liste wird dokumentiert, was und bis wann erledigt werden muss, sodass die Aufgaben nicht mehr so überwältigend erscheinen und die Zweifel, es nicht zu meistern, schwinden. Auch hier gilt: In akuten Fällen sollten man sich lieber Hilfe suchen. Denn schnell bestimmen Ängste das gesamte Leben und führen zu einer Art Lähmung des Betroffenen, die die Lebensqualität extrem einschränkt.

Was ist Angst?

Angst ist  ein Teil unseres Gefühlslebens und deshalb durchaus sinnvoll. Als Warn- und Alarmsignal hilft die Angst auf Bedrohungen von außen und Störungen von innen aufmerk­sam zu machen. Damit ist die Angst ein lebensnotwendiger Anpassungs- und Lernvorgang.

Angststörungen sind psychische Störungen, bei denen die Furcht vor einem Objekt oder ei­ner Situation so stark im Vordergrund steht, dass das alltägliche Leben in vielen Bereichen stark eingeschränkt ist.

Man bezeichnet Angst als krankhaft, wenn:

  • sie übermäßig stark ist
  • Dauer und Häufigkeit der Angstzustände mit der Zeit zunehmen
  • die Betroffenen nicht in der Lage sind, die Angst aus eigener Kraft zu überwinden
  • die aktuellen Lebensumstände das Ausmaß der Angst nicht erklären können.

Besteht die Angststörung schon seit längerer Zeit, so kommt es üblicherweise zu einem massiven Rückzug aus dem Alltag. Orte und Situationen, die Angst machen, werden gemie­den. Häufig ist soziale Isolation die Folge.

Schätzungen zufolge leiden etwa zehn Prozent der Bevölkerung innerhalb eines Jahres an Angsterkrankungen, die behandlungsbedürftig sind. Meist tritt die Erkrankung vor dem 45. Lebensjahr auf. Frauen sind häufiger betroffen als Männer.

Ursachen für Angststörungen

Eine genaue Ursache für die Entstehung von Angststörungen ist nicht bekannt. Es gibt un­terschiedliche Ansätze zur Erklärung der Ursache. Beispielsweise geht man bei der psycho­analytischen Theorie davon aus, dass die Ursache der Erkrankung in der Kindheit liegt. Die neurobiologische Theorie dagegen sagt, dass die Veranlagung zur Angsterkrankung angeboren ist.

Arten von Angststörungen

Experten unterscheiden bei einer Angststörung zwischen gerichteter und ungerichteter Angst:

Gerichtete Ängste treten in ganz bestimmten Situationen oder gegenüber ganz bestimmten Objekten auf. Sie werden auch als Phobien bezeichnet.

Gerichtete Ängste bei einer Angststörung sind:

  • Agoraphobie (Angst vor offenen, weiten Plätzen)
  • Soziale Phobie (Angst vor dem Umgang mit anderen Menschen)
  • Spezifische Phobien (Angst tritt nur in Konfrontation mit ganz bestimmten Objekten oder Situationen auf, z.B.:

Tierphobien: Angst vor Spinnen, Hunden, Mäusen

Situative Phobien: Flugangst, Höhenangst, Tunnel, Aufzüge, Dunkelheit

Natur-Phobien: Donner, Wasser, Wald, Naturgewalten

Anblick von Blut, Spritzen, Verletzungen.

Ungerichtete Ängste dagegen haben keinen spezifischen Auslöser.

Zu den ungerichteten Ängsten im Rahmen einer Angststörung zählen:

  • Panikstörungen (plötzliche, episodische Angst)
  • Generalisierte Angststörung (dauerhafte Angst)

Symptome von Angststörungen

Angststörungen äußern sich zum einen durch seelische Symptome, nämlich das intensive Empfinden von Angst und Bedrohung bis zur Panik. Daneben treten körperliche Beschwer­den auf, die auch völlig im Vordergrund stehen können.

Insbesondere bei der Panikstörung kommt es häufig zu Herzrasen und dem Gefühl, das Herz schlage unregelmäßig. Auch Schwitzen, Zittern, Erstickungsgefühl und Schmerzen an unterschiedlichen Stellen des Körpers treten auf. Meist dauert die Panikattacke einige Minu­ten lang an.

Diagnose von Angststörungen

Um die Diagnose einer Angststörung zu stellen, wird der Arzt zunächst ein ausführliches Gespräch mit dem Betroffenen führen (Anamnese). Dabei können auch spezielle Angstfra­gebögen eingesetzt werden. Es erfolgen eine internistische und neurologische Untersuchung und eine Blutabnahme.  Bei allen Angststörungen, für die sich eine andere Erkrankung als Ursache herausfinden lässt, spricht man von einer sekundären Angstsympomatik. Hier be­handelt der Arzt vor allem die Grunderkrankung und erst in zweiter Linie die Angstsymptome.

Echte Angststörungen sind im Gegensatz dazu primäre Angsterkrankungen, für die es keine andere medizinische Erklärung gibt und die therapiert werden sollten. Es kann bei der Diagnose­stellung und Planung der Therapie hilfreich sein, ein Angsttagebuch zu führen. Hierin werden Häufigkeit und Art der Symptome schriftlich festgehalten.

Therapie bei Angststörungen

Als gut wirksame Behandlung von Angststörungen hat sich die Kombination von Medika­menten mit verschiedenen Psychotherapien erwiesen.

Um die innere Anspannung bei Angststörungen zu lindern, ist die Anwendung von Entspan­nungstechniken wie dem autogenen Training, der progressiven Muskelentspannung oder so genannter Biofeedback-Verfahren hilfreich.

Bei der kognitiven Therapie lernt der Betroffene, bestimmte körperliche Symptome und Denkweisen als Auslöser der Angst zunächst zu erkennen und anschließend bewusst zu versuchen, sie zu berichtigen.

Durch die Verhaltenstherapie soll der Betroffene lernen, sich dem Auslöser seiner Angst zu stellen anstatt ihn zu meiden. Es werden die „Desensibilisierung“ und zum anderen die „Reizkonfrontation“ angewendet. 

Die Soziotherapie verfolgt das Ziel, die soziale Ausgrenzung der Betroffenen zu mildern und den Wiedereinstieg in das soziale und berufliche Leben zu fördern.

Mithilfe tiefenpsychologischer Verfahren versucht man, die in der Kindheit vermutete Ursa­che der Angststörung zu behandeln. Diese Behandlung erstreckt sich häufig über Jahre.

Zur medikamentösen Behandlung von Angststörungen setzt man Antidepressiva ein.

Der Verlauf einer Angststörung ist abhängig vom Beginn der Erkrankung. Beispielsweise verschwinden in der Kindheit begonnene Phobien häufig im Laufe des Erwachsenenalters. Eine Angststörung kann aber auch chronisch werden. Je früher im Krankheitsverlauf die Di­agnose gestellt und eine Behandlung begonnen werden, umso besser ist die Prognose der Erkrankung.

Menschen mit einer Angststörung haben ein erhöhtes Risiko für Alkohol- oder anderen Suchtmittel-Missbrauch, da sie so ihre Beschwerden dämpfen möchten. Im schlimmsten Fall kommt es zur völligen Isolierung des Betroffenen.

Die frühe Diagnose und Behandlung der Angststörung sind wichtig. So kann versucht wer­den, einen chronischen Verlauf der Erkrankung bis hin zur Isolierung des Betroffenen zu vermeiden. Angst oder Panik auslösende Situationen sollten vom Betroffenen bewusst ge­sucht anstatt gemieden werden. So kann er lernen, dass die jeweilige Situation ungefährlich ist. Einem gefährlichen Vermeidungsverhalten kann so frühzeitig vorgebeugt werden.

Sie sind nicht alleine! Angststörungen sind weit verbreitet. Fünf von 100 Menschen leiden an einer Angststörung.

Es kann Ihnen geholfen werden! Versuchen Sie, so schnell wie möglich professionelle Hilfe aufzusuchen. Je länger Sie diesen Schritt hinausschieben, desto schwieriger wird die Thera­pie der Angststörung. Wenden Sie sich an eine vertraute Person, einen vertrauenswürdigen Arzt. Diese Menschen können Ihnen helfen, sich über mögliche Therapiemöglichkeiten zu informieren. Versuchen Sie nicht mit der Störung alleine zu Recht zu kommen oder sich da­mit zu arrangieren. Gehen Sie dagegen vor!

Versuchen Sie nicht, durch Vermeidung der angstauslösenden Situation Ihre Angststörung in den Griff zu bekommen. Dadurch verhindern Sie eher eine Lösung. Meist entstehen lediglich weitere Schwierigkeiten, weil sich die Angst nur stärker in Ihrem Leben verfestigt.

Nehmen Sie nicht immer wieder Beruhigungsmittel (z. B. Benzodiazepine) zur Dämpfung der Angst ein. Diese Beruhigungsmittel können leicht abhängig machen. Die Therapie der Angststörung wird dadurch zusätzlich erschwert.

Vermeiden Sie es, Alkohol als Angstlöser einzusetzen! Alkohol kann, wenn überhaupt, nur im Moment helfen. Auch hier besteht die Gefahr einer Abhängigkeit, was die Situation ent­scheidend verschlimmert. Allgemein sollte Alkohol niemals als Problemlöser eingesetzt wer­den!

Unbehandelt kann eine Angststörung über Jahrzehnte bestehen und sich sogar verstärken. Wie sie verläuft, hängt immer auch davon ab, wie groß die „Angst vor der Angst“ ist. Die Befürchtung, in angstauslösende Situationen zu geraten, führt oft zu einem starken Vermei­dungsverhalten. Wer seine Reaktion unter schwierigen Umständen aber nicht überprüft, kann auch keine Erfolgserlebnisse für sich verbuchen.

Der Verlauf der unterschiedlichen Angststörungen hängt nicht nur von der Art der Beschwer­den ab. Entscheidend ist vor allem, ob und wie schnell der Betroffene Hilfe sucht. Im Rah­men einer Therapie und einer medikamentösen Behandlung lässt sich die Angst meist gut beherrschen.

Literaturtipps zum Thema Angst

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Schweißausbrüche, Nervosität und Denkblockaden: Diese Symptome der Prüfungsangst kennen viele Studierende nur allzu gut. Dieser Ratgeber hilft dabei, das Selbstbewusstsein vor, während und nach Prüfungssituationen Schritt für Schritt nachhaltig zu steigern.

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