Burnout

Prüfungsstress, Doppelbelastung von Studium und Arbeit, der Kampf um attraktive Praktikums- und Arbeitsplätze: Studierende sind vielfältigen kognitiven, emotionalen und sozialen Belastungen ausgesetzt. Dazu kommen aufzubringende Studiengebühren, wichtige Entscheidungen über Studien- oder Ortswechsel sowie Auslandssemester, die erstmalige Bewältigung einer selbständigen Haushalts- und Lebensführung und das Zurechtfinden in einer ungewohnten Umgebung. Beziehungen werden getrennt und neue entstehen.

In der Summe führen diese Lebensbedingungen nicht selten zu einem immensen Leistungsdruck und in eine Situation von Stress und Überforderung. Eine Untersuchung der Techniker Krankenkasse („TK-Gesundheitsreport 2015“) hat ergeben, dass mehr als 20 Prozent der Studierenden an psychischen Problemen leiden. Diese münden bei längerer Dauer häufig in psychische und psychosomatische Erkrankungen, wie z. B. Depressionen, Ängste, Zwänge, Essstörungen oder Erschöpfungssyndrome.

Der Begriff „Burnout“ kann in diesem Zusammenhang verwendet werden als Beschreibung für einen Prozess der zunehmenden Überforderung und Erschöpfung. Bleibt aufgrund der zahlreichen Anforderungen während des Studiums nicht genug Raum für Regeneration, für Freizeitaktivitäten und für das, was einem im Leben wichtig ist, kann sich nach und nach ein Burnout-Prozess in Gang setzen. Häufig betroffen sind insbesondere Personen mit der Neigung zum Perfektionismus, einem hohen Leistungsanspruch und Ich-Ideal, die sich keine Fehler erlauben und darüber hinaus ein ausgeprägtes Verantwortungsgefühl aufweisen. Viele haben das Gefühl, sich oder anderen etwas beweisen zu müssen.

Freudenberger und North (1992) haben eine Burnout-Entwicklung exemplarisch in einem Tortendiagramm mit zwölf Stufen oder Stadien dargestellt. Deutlich wird hierin, dass eine ausgeprägte Leistungsorientierung und der maximale Einsatz von Ressourcen auf Kosten der Regeneration und ausgleichender Aktivitäten geht. Wer nur noch lernt und darüber zunehmend vormals wichtige Hobbys vernachlässigt, sich immer weniger mit Freunden trifft, Anspannung, Gereiztheit und Versagensängste bei sich feststellt usw., der sollte aufmerksam werden.

Studentengesundheit Phasenmodell Burnout

Leide ich selbst an Burnout?

Die Checkliste „Burnout“ wurde anhand der von der WHO international herausgegebenen Kriterien psychischer Störungen und nach Phasenmodellen, die sich von Freudenberger & North (1992) herleiten, erstellt. Checkliste Burn-out zum Download.

Ein Burnout-Prozess kann ganz unterschiedlich verlaufen. Gleichzeitig gibt es jedoch eine Reihe von Signalen, die darauf hinweisen können, dass man sich in einem Überlastungszustand befindet. Frühzeitiges Reagieren hilft, einer weiteren Zuspitzung der Beschwerden entgegenzuwirken.

Körperlich: Schlafstörungen, erhöhter Blutdruck, Herzrasen, Muskelverspannungen, Kopfschmerzen, Schwindel, Magen- und Darmbeschwerden, Rückenschmerzen, Müdigkeit und Erschöpfung

Emotional: Unzufriedenheit, Versagensängste, Niedergeschlagenheit, Stimmungsschwankungen, Gefühl mangelnder Anerkennung, verringerte emotionale Belastbarkeit, Humorlosigkeit, verstärkte Reizbarkeit, unbestimmte Angst und Nervosität, Ruhelosigkeit, Schuldgefühle

Kognitiv: Konzentrationsstörungen, Gedächtnisprobleme, Entscheidungsschwierigkeiten, Tagträume, negative Einstellung zur Arbeit, Pessimismus, Zynismus, Einengung des Denkens, Interessenlosigkeit

Im Verhalten: Sozialer Rückzug, Partnerschaftsprobleme, vermehrte Konflikte, Vernachlässigung von Hobbys und Freizeitbeschäftigungen

Oft nehmen Angehörige oder Freunde eine Veränderung eher war, als der Betroffene selbst. Es ist wichtig, achtsam mit sich umzugehen und sich zu fragen: Bemerke ich Veränderungen an mir? Erkenne ich eine Zunahme der oben aufgeführten Symptome? Hat mich vielleicht schon jemand aus dem Bekannten- oder Familienkreis darauf angesprochen?

Ein Burnout passiert nicht von alleine, und es gibt eine Vielzahl an Möglichkeiten, einer solchen Entwicklung entgegenzuwirken. Am allerwichtigsten ist, ehrlich sich selbst gegenüber zu sein und sich einzugestehen, dass Hilfe nötig ist. Das muss auch nicht gleich der Gang zum Arzt oder Psychotherapeuten sein. Ein vertrauensvolles Gespräch mit dem Partner, der besten Freundin oder auch der Besuch der Psychologischen Beratungsstelle des Studentenwerks kann helfen! Die Symptome dagegen zu ignorieren und zu versuchen, alleine damit fertig werden zu wollen, führen in der Regel tiefer in den Teufelskreis. Gespräche wirken entlastend und eröffnen Möglichkeiten konkreter Veränderungen im persönlichen Verhalten und an äußeren Bedingungen.

Gleichzeitig ist es auch wichtig zu erkennen, an welchem Punkt man bereits steht. Gemäß dem Modell von Freudenberger und North mündet eine Burnout-Entwicklung letztlich in eine psychische oder psychosomatische Erkrankung, etwa in eine Depression, eine Angst- oder somatoformen Schmerzstörung. An diesem Punkt sollte auf jeden Fall professionelle Hilfe in Anspruch genommen werden. Eine ambulante oder stationäre Psychotherapie unterstützt dabei, die aktuelle Arbeits- und Lebenssituation zu reflektieren und neue Perspektiven zu entwickeln.

Literaturtipps zum Thema Burnout

Studentengesundheit Seeleninfarkt
Seeleninfarkt von Ruediger Dahlke

Der Zwang zum Perfektionismus, überhöhte Ideale und beschleunigte Arbeitsabläufe führen auf vielen Ebenen von der Wirtschaft bis zur Partnerschaft direkt in den Seeleninfarkt. Der Schlüssel zur Gesundung liegt in einer achtsamen und beseelten Lebensführung, die auf ein bewusstes Ankommen im Hier und Jetzt zielt.

Studentengesundheit Burnout bei Frauen
Burn-out bei Frauen von Herbert Freudenberger und Gail North

Burnout galt bisher als typisches Männer-Phänomen. Jetzt stellt sich aber heraus, dass Frauen genauso betroffen sind. Der tägliche Stress und die vielfältigen Belastungen bringen sie in einen Strudel emotionaler Hetze, der sie ausgebrannt zurückläßt.

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