Depression

Sicher kennt jeder von euch Momente oder Phasen, in denen ihr euch niedergeschlagen, antriebs- und lustlos fühlt. „Graue Tage“ erleben wir alle hin und wieder, ohne dass dies ein ernsthafter Grund zur Sorge wäre. Aufmerksam werden sollte man hingegen dann, wenn diese Phase der Traurigkeit und fehlender Zuversicht über einen längeren Zeitraum von mehreren Tagen oder sogar Wochen anhält. Denn dann könnte mehr dahinterstecken!

Die Depression zählt zu den häufigsten psychischen Erkrankungen – und auch zu den häufigsten Erkrankungen bei Studierenden sowie allgemein bei jungen Erwachsenen.

Laut BARMER-Arztreport 2018 stieg der Anteil der 18- bis 25-Jährigen, die eine psychische Diagnose erhalten haben, zwischen 2005 und 2016 um 38 Prozent. Bezüglich der Diagnose Depression gab es sogar einen Anstieg um sage und schreibe 76 Prozent.

Bereits im Jahr 2007 warnte das Deutsche Studentenwerk vor dem „Studieren bis zum Umfallen“. Damals kam eine Sozialerhebung zu dem Ergebnis, dass jeder siebte Studierende eine Beratung aufgrund von psychischen Problemen wie z. B. depressiver Verstimmung benötigte. Eine Depression entwickelt sich oftmals schleichend. Sie kann mit Schlaf- und Appetitlosigkeit beginnen, mit Unkonzentriertheit oder häufiger Gereiztheit.

Betroffene entwickeln eine zunehmend pessimistische Sicht auf sich selbst und die Welt, trauen sich immer weniger zu und haben vielleicht das Gefühl, vom Pech verfolgt zu sein. Das Selbstwertgefühl beginnt zu bröckeln, und an vielem geben sich depressiv Erkrankte selbst die Schuld. Es kommt vermehrt zum sozialen Rückzug: Verabredungen werden abgesagt oder gar nicht mehr getroffen, Gespräche fallen schwer, die eigene Wohnung oder das Zimmer wird nur noch unter Anstrengung verlassen. Hobbys werden mehr und mehr vernachlässigt, es fehlt die Kraft und schlicht und einfach die Freude an Dingen, die man sonst immer gerne gemacht hatte. Dass die täglichen Anforderungen und Pflichten durch Studium, Haushalt und eventuell auch (Neben-)Job darunter leiten, versteht sich von selbst. Letztlich kann sich eine Negativspirale entwickeln, die Betroffene immer tiefer in die Depression, in Rückzug und Kraftlosigkeit hinabzieht. 

Welche Ursache eine Depression haben kann, ist nicht in einem Satz zu beantworten. Der neueste Stand der Forschung geht von einem komplexen Wirkzusammenhang biologischer, psychologischer und sozialer Faktoren aus. Fest steht jedoch: Negativer Stress erhöht das Risiko für eine Erkrankung. Erhöhte Leistungsanforderungen
und -druck, wie es leider immer häufiger auch an den Universitäten und Hochschulen zu beobachten ist, belasten das psychische Gleichgewicht. Andererseits kommt es zu einer Reduzierung tragfähiger sozialer Beziehun­gen, sowohl qualitativer als auch quantitativer Art, z. B. durch familiäre Zerfallsprozesse, berufliche Mobilität, virtuelle Beziehungen, häufige Tren­nungen und Scheidungen.

Letztlich geht es um die Summe an Belastungen auf der einen Seite und um die Ressourcen auf der anderen.
Kommt es hier für längere Zeit zu einem Ungleichgewicht durch steigende und/oder anhaltende Anforderungen, wächst auch das Risiko für stressbedingte psychische Erkrankungen. Wichtig ist dann, zu wissen, wohin man sich wenden kann, und noch wichtiger ist es, nicht alleine mit allem zurechtkommen zu wollen.
Es gibt wirksame Hilfe!

Eine Depression ist kein vorübergehendes Stim­mungstief, sondern eine tiefgreifende seelische Erkrankung, die ärztlich bzw. therapeutisch behandelt werden muss. Geschieht das rechtzeitig und konsequent, bestehen sehr gute Chancen auf eine vollständige Genesung!

Leide ich selbst an einer Depression?

Diese Checkliste hilft dir dabei, einen ersten Hinweis zu erhalten, ob du möglicherweise unter einer Depression leiden. Mit dieser Unterstützung kannst du deine Stimmungs- und Befindlichkeitsschwankungen, die sich entweder seit einem bestimmten Zeitpunkt oder schleichend entwickelt haben, einordnen.

Du solltest dich auf jeden Fall in Behandlung begeben, wenn du seit mindestens zwei Wochen unter bedrückter Grundstimmung, Antriebsminderung, negativen Gedanken, Freudlosigkeit oder körperlichen Zusatzsymptomen wie z. B. Kopfschmerzen, Schlafstörungen, Appetitlosigkeit leidest … Checkliste Depression zum Download.

Die Depression als affektive Erkrankung wirkt sich in erster Linie auf die Grundstimmung der Betroffenen aus. Neben einer häufig zu beobachtenden, ausgeprägten Traurigkeit finden sich Insuffizienzgefühle, also das Erleben, nicht gut genug zu sein, nichts mehr hinzubekommen, nichts mehr zu schaffen. Hinzukommen häufig Konzentrations- und Merkfähigkeitsstörungen, was sich gerade im Studium extrem nachteilig auswirken kann. Der Selbstwert leidet, man verliert die Lust an Dingen und Aktivitäten, die früher stets Freude bereitet haben oder sogar eine Ressource waren. Nachfolgend sind die häufigsten Symptome einer depressiven Erkrankung aufgelistet:

  • gedrückte Stimmung
  • Interessensverlust und Freudlosigkeit
  • Antriebsmangel bzw. erhöhte Ermüdbarkeit
  • Trostlosigkeit
  • vermindertes Selbstwertgefühl und Selbstvertrauen
  • Konzentrationsstörungen
  • Schuldgefühle und Selbstanklagen
  • Unfähigkeit, Entschlüsse zu fassen
  • starke innere Unruhe
  • Schlafstörungen, Morgentief
  • verminderter Appetit, verminderte sexuelle Lust
  • unbestimmtes, schlechtes körperliches Befinden
  • Selbstmordgedanken oder -handlungen

Nicht immer werden die Symptome richtig gedeutet, und eine Depression kann sich teilweise auch ganz verschieden ausdrücken. Manche Menschen sind antriebsgemindert und lustlos, bei anderen überwiegt eine ausgeprägte Unruhe. Manche haben ausgeprägte Ein- und Durchschlafstörungen, andere schlafen viel mehr als früher. Auch „flüchten“ heutzutage zahlreiche Menschen – ohne es zu wissen – mittels Aktivismus vor einer Depression. Sie stürzen sich in Arbeit, treiben exzessiv Sport, wechseln ständig den Partner, aber sie verspüren keine Lebensfreude. Auf diese Art und Weise kann eine Depression jahre­lang maskiert werden.

Depressionen führen zu Problemen im zwischenmenschlichen Bereich, in der Bewältigung von Studium oder Beruf sowie auch in der Haushaltsführung. Es kommt zum Rückzug aus sozialen Kontakten, zu Beziehungsabbrüchen bis hin zur Iso­lation und zum aktiven Rückzug aus der Umgebung. Aktivitäten wie bspw. Kino- oder Konzertbesuche, gemeinsame Abende mit Freunden o. Ä. finden kaum noch oder gar nicht mehr statt.

Depressionen werden nach ihrem Schweregrad unterschieden – man spricht von leichten, mittelgradigen oder schweren depressiven Episoden. Je mehr der im ICD-10 (Internationale Klassifikation psychischer Erkrankungen, herausgegeben von der Weltgesundheitsorganisation) definierten Symptome vorliegen, desto schwerer ist die Erkrankung.

Es gibt viele mögliche Ursachen für eine Depression. Aktuelle Überlegungen sehen vor allem ein Zusammenspiel aus neurobiologischen, psychologischen und sozialen Faktoren als ursächlich an. Auslöser sind oft seelische Belastungen, wie Todesfälle, Trennungen, berufliche Veränderungen usw. Zum Teil werden hierbei belastende Situationen aus der Kindheit oder auch frühere traumatische Erlebnisse wiedererweckt. Auch Erschöpfungszustände durch Überarbeitung können in eine Depression münden, ebenso Unterforderung, wie bei Arbeitslosigkeit und Ruheständlern.

Studierende sind in mehrerlei Hinsicht gefährdet, sei es durch Überforderung im Studium, durch finanzielle Sorgen oder Zukunftsängste, durch Zweifel an der Studienfachwahl oder Schwierigkeiten, sich in einer neuen Umgebung ohne die bisherigen sozialen Kontakte und Bindungen einzuleben.

Depressionen können auch körperliche Ursachen haben, z. B. hirnorganische Erkrankungen bei älteren Menschen, Schlaganfälle, schwere Herzerkrankungen, Stoffwechselstörungen im Zentral­nervensystem, aber auch im übrigen Körper wie etwa bei Diabetes mel­litus. Und auch hormonelle Umstellungen bei Frauen, wie nach einer Geburt oder in den Wechseljah­ren, können Depressionen auslösen. Darüber hinaus herrscht heute Einigkeit darüber, dass genetische Veranlagungen die Wahrscheinlichkeit für eine depressive Erkrankung beeinflussen.

Die Behandlung einer depressiven Erkrankung erfolgt im Wesentlichen durch Medikamente und/oder durch Psychothera­pie. „Und/oder“ bezieht sich hier auf die Tatsache, dass leichte und mittelschwere Depressionen durchaus auch alleine durch Psychotherapie behandelbar sind, mit dem Vorteil der sozialen Interaktion, der Verbesserung des Krankheitsverständnisses und der positiven Erfahrungen durch Verhaltensänderungen im Rahmen der Therapie. Als Nachteil einer Psychotherapie ist allerdings die oftmals lange Wartezeit auf einen Therapieplatz zu nennen. Antidepressiv wirkende Medikamente sind demgegenüber rasch verfügbar, können jedoch mit unerwünschten Nebenwirkungen einhergehen.

Generell gilt: Je schwerer die Erkrankung ist, desto umfassender sollte behandelt werden. Schwere oder sogar chronische Depressionen sollten unbedingt sowohl psychotherapeutisch als auch pharmakologisch begleitet werden, sowohl zur Symptomlinderung als auch zur Verringerung des Risikos einer Wiedererkrankung (Rezidiv).

 Psychotherapie (altgriechisch: psyche, Seele) bedeutet Krankheitsbehandlung mit psycholo­gischen Mitteln, im Wesentlichen mit den Mitteln des beeinflussenden Gesprächs, wobei der Körper mehr oder weniger stark miteinbezogen wird. Die psychotherapeutische Behandlung wird in Form von regelmäßigen Terminen (z. B. einmal wöchentlich) über einen Zeitraum von mehreren Wochen, Monaten, manchmal auch Jahren durchgeführt. Sie erfolgt entweder im Einzelkontakt mit dem Therapeuten oder in einer Gruppe und soll dazu führen, dass der Patient sein eigener Spezialist im Umgang mit seiner Erkrankung, mit sich selbst sowie mit anderen wird. Erste Wirkungen treten nach einigen Wochen auf.

Die medikamentöse Behandlung erfolgt mittels sog. Antidepressiva. Dies sind Medikamente, die bei schwereren Depressionen, aber auch bei Ängsten, Zwängen oder Essstörungen eingesetzt werden. Es gibt eine Reihe unterschiedlicher Antidepressiva-Klassen, die sich hinsichtlich ihrer Wirkmechanismen und ihrer Nebenwirkungen teilweise deutlich voneinander unterscheiden. Entscheidend für die Wahl eines Antidepressivums ist u. a. die konkrete Ausprägung der depressiven Erkrankung oder die Wechselwirkung mit möglichen anderen Medikamenten, die der Betroffene einnehmen muss. Antidepressiva machen in der Regel nicht süchtig (bitte fragen Sie immer Ihren Arzt danach!). Was ihre Wirkung anbetrifft, muss von einer Latenzzeit zwischen zwei und manchmal auch vier Wochen ausgegangen werden.

Eine Depression kann nicht mit Geduld und Aufopferung von Seiten der Familie und der Freunde, sondern nur mit der geeigneten Therapie durch Fachleute behandelt werden. Die Angehörigen sollten jedoch in die Therapie miteinbezogen werden. Die Erkrankung fordert von ihnen einerseits sehr viel Verständnis, andererseits aber auch die Bereitschaft, den Betroffenen nicht zu viel zu schonen. Sie müssen lernen, damit vernünftig umzugehen, was nicht leicht ist. Sie sollen helfen, aber durchaus auch noch ihr eigenes Leben leben. Es kann für Angehörige informativ und entlastend sein, eine Angehörigengruppe zu besuchen.

Was kann man selbst gegen eine Depression tun?

Eine Depression kommt weder noch verschwindet sie von heute auf morgen. Oft fällt es am Anfang schwer, die Signale richtig zu deuten, und manchmal ist es auch tatsächlich nur „falscher Alarm“. Solltest du jedoch wirklich an einer Depression erkrankt sein, dann gilt zuallererst: Es hat nichts damit zu tun, dass du schwach wärst, womöglich selbst schuld und es jetzt alleine wieder hinbekommen musst, aus der Depression rauszukommen. Ganz klar: Nein! Eine Depression ist kein Zeichen von Schwäche, sondern eine behandelbare Erkrankung, von der jährlich ca. 5 Millionen Menschen betroffen sind. Und es geht auch nicht um Schuld, sondern ausschließlich darum, was dir helfen kann, die Depression hinter dir zu lassen. Dazu hier ein paar Hinweise und Empfehlungen, und der Wichtigste von allen gleich zu Beginn: 

  • Bleib nicht alleine, sondern suche dir Personen, mit denen zu reden kannst. Deine Familie, (enge) Freunde, oder Experten in den Psychologischen Beratungsstellen der Studentenwerke. Selbsthilfegruppen sind ebenfalls eine Möglichkeit. Sich zurückzuziehen und Kontakte zu meiden, verschlechtert deine Situation, deshalb gilt: Aufraffen! Aber natürlich gilt auch: Die Qualität der Kontakte ist wichtiger als die Quantität.
  • Stelle dir regelmäßig die Frage, was dir jetzt guttun würde, und mache das dann auch. Achte auch darauf, was dein Körper braucht – vernachlässige ihn nicht.
  • Bewegung tut gut, vor allem an der frischen Luft.
  • Sollte es Momente geben, in denen du Zweifel daran hast, ob du weiterleben willst, oder sogar daran denkst, dir etwas anzutun, dann such dir sofort jemanden, mit dem du darüber reden kannst: Eine Vertrauensperson in deiner Nähe, den telefonischen Krisendienst oder den ärztlichen Bereitschaftsdienst unter der bundesweiten Nummer 116 117! Nicht das Reden über die Suizidgedanken erhöht die Gefahr, sondern das Schweigen.
  • Denk dran: Negative Gedanken und Phasen der Hoffnungslosigkeit sind typische Symptome der Depression und klingen ab, wenn du wieder gesund wirst.
  • Verzichte auf Alkohol und Drogen, da hierdurch die Depression nur verschlimmert wird.
  • Sei nicht zu streng mit dir selbst. Überfordere dich nicht, und erwarte von dir keinesfalls die gleiche Leistungs- und Belastungsfähigkeit wie vor der Erkrankung. Es kann helfen, sich dies mehrmals am Tag bewusst zu machen, vielleicht auch verbunden mit einigen tiefen Atemzügen.

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