Essstörungen

Unter dem Begriff der Essstörung werden psychische Erkrankungen zusammengefasst, bei denen die Nahrungsaufnahme eine zentrale Rolle spielt. Begriffe wie „Magersucht“ oder „Fressattacken“ sind dabei relativ geläufig und quasi Alltagsformulierungen für die bestehende Problematik. Bei Menschen, die an einer Anorexia – das ist der Fachbegriff für die „Magersucht“ – leiden, ist die Nahrungsaufnahme massiv eingeschränkt, einhergehend mit einem deutlichen, teilweise lebensbedrohlichen Untergewicht. Trotz dessen erleben sich Betroffene als „zu dick“. Das Selbstwertgefühl ist eng mit dem Körpergewicht verknüpft und häufig labil.

Bei der Anorexie kann noch genauer unterschieden werden zwischen einer sog. restriktiven Form, bei der Fasten, Diäten und sportliche Aktivitäten im Vordergrund stehen, und einem sog. Purging-Typus. Hier kommt es zum Auftreten von Essanfällen und nachfolgendem Erbrechen, der Einnahme von Abführmitteln o. Ä., um eine Gewichtszunahme zu verhindern.

Die Bulimie als weitere Form der Essstörungen weist klare Überschneidungen zur Anorexie auf. Auch hier findet sich eine übertriebene Beschäftigung mit dem Essen, die Angst vor Gewichtszunahme und in den meisten Fällen eine ausgeprägte Selbstwertproblematik. Typisch für die Bulimie sind Essanfälle mit der Aufnahme großer Nahrungsmengen in kurzer Zeit, gefolgt von sog. „gegenregulatorischen Maßnahmen“ wie Erbrechen oder exzessivem Sport sowie häufig massiven Scham- und Schuldgefühlen. Starkes Untergewicht ist bei den betroffenen Personen jedoch nicht zu finden.

Die Binge-Eating-Störung unterscheidet sich von der Bulimie dadurch, dass nach dem Auftreten von Essanfällen nichts unternommen wird, um einer Gewichtszunahme entgegenzuwirken. Die Adipositas – also massives Übergewicht – wird nicht als psychischen Erkrankung im ursächlichen Sinne verstanden, jedoch ergeben sich häufig neben den körperlichen auch psychische und soziale Folgen, mit denen die Betroffenen zu kämpfen haben.

Natürlich sind die Begriffe „normal-„, „über-“ und „untergewichtig“ zu definieren. Als häufige Herangehensweise, dies zu tun und sich darüber hinaus auch selbst einzuschätzen, wird der sog. Body-Mass-Index (BMI) verwendet. Dieser berechnet sich aus dem Körpergewicht in Kilogramm, geteilt durch die Körpergröße in Meter zum Quadrat. Ein Wert zwischen 18,5 und 24,9 gilt als Normalgewicht. Werte unter 15 werden als extremes Untergewicht bezeichnet, ab 40 als Adipositas Grad III. Wichtig zu beachten ist allerdings, dass der BMI nicht als alleiniges Kriterium für die Einschätzung eines Normal- bzw. Über- oder Untergewichts herangezogen werden sollte, da er bspw. abhängig vom Geschlecht leicht variiert und auch „falsche“ Einschätzungen liefern kann (etwa bei Sportlern im Vergleich zu einem Nicht-Sportler).

Von Essstörungen sind Frauen in der Regel weitaus häufiger betroffen als Männer, gerade bei der Anorexie und der Bulimie. Gleichzeitig lassen manche Untersuchungen darauf schließen, dass sich die Geschlechtsunterschiede verringern und immer öfter auch Männer darunter leiden.

Für die Entstehung von Essstörungen wird gegenwärtig – wie bei den meisten psychischen Erkrankungen – von einem multifaktoriellen Gefüge ausgegangen. Das heißt, dass sowohl biologische als auch soziale und psychische Faktoren eine Rolle spielen. Junge Erwachsene sind alleine aufgrund ihres Alters und der sog. „phasenspezifischen Herausforderungen“ während der Adoleszenz sensibler für Stressbelastungen. Im Studium kann davon einiges zusammenkommen. Und unsere Gesellschaft, in der Attraktivität und äußere Schönheit für den Selbstwert eine große Rolle spielen, trägt ebenfalls dazu bei, dass viele sich über ihren Körper definieren und Schönheitsidealen entsprechen wollen.

So unterschiedlich sich Essstörungen zeigen, eines ist für alle kennzeichnend: Essen be­stimmt das Leben der Betroffenen. Das gilt für ihren Tagesablauf, ihre Gefühle, ihre Bezie­hungen zu anderen, ihre beruflichen und privaten Entscheidungen. Sie sind auf das Essen bzw. das Nicht-Essen fixiert. Ihr Körper ist aus ihrer Sicht für alles Glück und Unglück ver­antwortlich. Dabei gilt grundsätzlich: Essstörungen sind behandlungsbedürftige und behandelbare psychische Erkrankungen, die häufig auch mit Depressionen, Angst- oder Zwangsstörungen einhergehen. Es gibt wirksame Hilfen, jedoch oftmals auch eine große Schamschwelle, welche die Betroffenen erst überwinden müssen.

Body-Mass-Index (BMI)

Ein Indikator für eine vorliegende Essstörung kann der sogenannte BMI sein. Der Body-Mass-Index (BMI auch Körpermasseindex (KMI), Körpermassenzahl (KMZ) oder Quetelet-Kaup-Index) – ist eine Maßzahl für die Bewertung des Körpergewichts eines Menschen in Relation zu seiner Körpergröße. Sie wurde 1832 von Adolphe Quetelet entwickelt. Er zeigt an, ob man Über-, Unter-, oder Normalgewicht hat.

Hier kannst du deinen BMI berechnen: https://www.studentengesundheit.de/ernaehrung/

Welche Essstörungen gibt es überhaupt?

Essstörungen können Lösungsversuche für tiefer liegende seelische Probleme oder Ausweg, Flucht oder Ersatz für verdrängte Gefühle und Bedürfnisse sein. Aber auch stummer Protest oder Ablehnung können sich in Essstörungen äußern. Sie signalisieren Verweigerung und stehen doch zugleich für Resignation oder Anpassung.
Essstörungen können sich auf verschiedene Weise zeigen. Im Wesentlichen werden drei Hauptformen unterschieden: Magersucht (Anorexie, Anorexia nervosa), Bulimie (Bulimia nervosa), Binge-Eating-Störung (Binge Eating Disorder).

Alle Essstörungen können ineinander übergehen oder sich abwechseln. So entwickelt sich bei Magersucht in etwa 20 Prozent der Fälle eine Bulimie. Nicht immer sind bei Essstörun­gen alle Merkmale ausgeprägt. Nicht alle Essstörungen lassen sich den drei Hauptformen zuordnen. Die Wissenschaft geht davon aus, dass diese unspezifischen und untypischen sonstigen Essstörungen sogar häufiger auftreten als die drei klassischen.

So unterschiedlich sich Essstörungen zeigen, eines ist für alle kennzeichnend: Essen be­stimmt das Leben der Betroffenen. Das gilt für ihren Tagesablauf, ihre Gefühle, ihre Bezie­hungen zu anderen, ihre beruflichen und privaten Entscheidungen. Sie sind auf das Essen bzw. das Nicht-Essen fixiert. Ihr Körper ist aus ihrer Sicht für alles Glück und Unglück ver­antwortlich. Eines haben Menschen mit Essstörungen jedoch gemeinsam: Die lebensnot­wendige Ernährung ist für sie ein erhebliches Problem mit körperlichen, psychischen und oft sozialen Konsequenzen geworden.

Überwiegend sind junge Mädchen und Frauen von Essstörungen betroffen, aber auch die Anzahl junger essgestörter Männer nimmt seit einiger Zeit zu.

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Podcast: „Bulimie, Anorexie und Binge Eating“

https://juf.podigee.io/3-eatingdisorders

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